Vor dem grossen Budget: Software Prototyp erstellen lassen
Oktober 29, 2026 | by Selina Tannenried

Ein Prototyp ist die günstigste Art, sich zu irren. Wer einen Software Prototyp erstellen lassen will, kauft keine halbe Lösung. Gekauft wird eine belastbare Antwort auf eine Frage, die sonst erst nach der Hauptinvestition auftaucht.
Auf einen Blick
- Einen Software-Prototyp lassen Sie erstellen, um vor dem Hauptbudget eine einzige riskante Annahme zu prüfen: Passt der geplante Ablauf zu den Menschen, die täglich damit arbeiten?
- Es gibt drei Arten: Klickprototyp, technischer Machbarkeitsnachweis und Pilot. Jede beantwortet eine andere Frage und verlangt einen anderen Aufwand.
- Ein Prototyp ist Lernmaterial und keine Vorstufe des Produktivsystems. Code daraus wird nur ausnahmsweise weiterverwendet.
- Gelingt er, dann mit drei Zutaten: einer schriftlichen Leitfrage, Fachleuten aus dem Alltag als Testpersonen und einem Kriterium, ab wann das Vorhaben gestoppt oder umgebaut wird.
Die Ausgangslage kennen wir aus vielen Gesprächen: Die Fachseite hat eine klare Vorstellung, die IT eine andere, und die Offerte eines Lieferanten deckt beides irgendwie ab. Ob das im Alltag funktioniert, zeigt sich leider erst, wenn gebaut ist. Ein Prototyp holt diese Erkenntnis nach vorne, solange Korrekturen noch wenig kosten.
Software Prototyp erstellen lassen: Welche Frage soll er beantworten?
Der häufigste Fehler passiert vor dem ersten Bildschirm: Der Prototyp soll «alles ein bisschen» zeigen. Dann beantwortet er nichts richtig. Besser ist eine einzige Leitfrage, und zwar die riskanteste.
Typische Beispiele: Akzeptiert die Sachbearbeitung den neuen Erfassungsablauf, auch wenn er drei Klicks mehr braucht als das heutige Excel? Lassen sich die Daten aus dem Altsystem überhaupt sauber übernehmen? Rechnet die Logik bei Sonderfällen so, wie es die Fachleute erwarten?
Jede dieser Fragen verlangt einen anderen Prototyp. Genau deshalb lohnt sich die Unterscheidung.
Drei Arten von Prototypen, drei verschiedene Antworten
Die Reihenfolge ist meist dieselbe: zuerst ein Klickprototyp, bei technischen Unsicherheiten parallel ein Machbarkeitsnachweis, ein Pilot erst dann, wenn die ersten beiden bestanden sind. Wer gleich mit einem Pilot startet, baut oft schon das Produkt und nennt es nur anders.
Der Prototyp ersetzt dabei nicht die Grundsatzfrage, ob individuelle Softwareentwicklung der richtige Weg ist. Er liefert aber Fakten dafür, statt dass in der Sitzung Meinungen gegeneinander stehen.
Was ein Prototyp kostet und wie lange er dauert
In unserer Projektpraxis bewegen sich Prototypen eher im Bereich von Wochen als von Monaten, und der Aufwand liegt deutlich unter dem einer Vollentwicklung. Konkrete Beträge nennen wir hier bewusst nicht: Sie hängen von der Leitfrage ab, nicht von der Branche.
Was den Aufwand in der Regel treibt:
- Anzahl Rollen. Jede zusätzliche Benutzergruppe bringt eigene Bildschirme und eigene Sonderfälle.
- Schnittstellen. Ein Machbarkeitsnachweis gegen ein Altsystem ist aufwendiger als ein reiner Klickprototyp.
- Datenlage. Unsaubere Bestandsdaten fressen Zeit, die für die Leitfrage fehlt.
- Reife der Fachseite. Wenn der Ablauf intern noch umstritten ist, wird der Prototyp zum Schlichtungsversuch.
Ein Muster, das wir immer wieder sehen: Eine Gemeinde in Graubünden möchte ihre Bewilligungsverfolgung aus einer Excel-Landschaft lösen. Im Klickprototyp zeigt sich rasch, dass die Sachbearbeitung nicht mit einer Liste einsteigt, sondern mit den anstehenden Fristen. Dieselbe Erkenntnis nach der Entwicklung hätte einen Umbau bedeutet.
Wer beim Test dabei sein sollte
Die wichtigste Besetzung ist nicht der Entwickler, sondern die Testperson. Ideal sind zwei bis drei Fachleute, die den Ablauf heute täglich erledigen und ihn im Prototyp ohne Anleitung durchspielen. Wenn jemand erklären muss, wie die Bedienung gemeint ist, hat der Test bereits etwas gezeigt.
Dazu gehört eine Person mit Entscheidungskompetenz, die nach dem Test sagen kann: weiter, umbauen oder stoppen. Fehlt sie, versandet das Ergebnis in einem Folgetermin. Und eine Person aus der IT oder dem Betrieb schaut darauf, ob das Gezeigte in der bestehenden Systemlandschaft überhaupt anschliessbar wäre.
Der Test selbst muss nicht gross sein. Eine Stunde mit konkreten Aufgaben wie «Erfassen Sie bitte diesen Sonderfall» sagt mehr als eine Präsentation vor zwanzig Personen. Notiert wird, wo die Testperson stockt, nicht, was sie höflich lobt.
Woran Prototypen im Alltag scheitern
Wer einen Software Prototyp erstellen lassen will, sollte diese Muster kennen, denn die Gründe fürs Scheitern sind selten technischer Natur. Meist geht es um Erwartungen, Zuständigkeiten und fehlende Entscheidungsregeln.
- Zu viel Umfang. Der Prototyp wird zur Mini-Version des Endprodukts, Aufwand und Erwartungen wachsen, und die Leitfrage verschwindet.
- Falsche Testpersonen. Wenn nur Projektleitung und Geschäftsleitung zuschauen, fehlt die Rückmeldung der Menschen, die später täglich damit arbeiten.
- Wegwerfen verweigert. Der Code wird weiterverwendet, «weil er ja schon da ist», und die schnelle Bauweise bremst später jede Erweiterung.
- Kein Abbruchkriterium. Ohne vorab definierte Schwelle wird jedes Ergebnis passend interpretiert.
Wer den Prototyp führt, sollte auch das Hauptprojekt kennen. Eine erfahrene IT Projektleitung achtet darauf, dass aus Erkenntnissen Entscheide werden und nicht bloss Folien.
Vom Prototyp zum Auftrag
Der Prototyp liefert den besten Rohstoff für das Pflichtenheft. Danach heisst die Aufgabe: Anforderungen definieren, und zwar auf Basis geprüfter Abläufe statt einer Wunschliste. Das spart in der Offertphase Rückfragen und macht Angebote vergleichbar.
Allgemeine Zahlen zur Digitalisierung in Unternehmen und Haushalten stellt das Bundesamt für Statistik bereit. Ob ein Prototyp für Ihre Situation zu viel oder genau richtig ist, hängt aber weniger von der Statistik ab als von der Frage, wie teuer ein Irrtum später würde.
Unsicher, welche Prototyp-Art zu Ihrer Frage passt? Rufen Sie uns an unter +41 77 491 77 94 oder schreiben Sie an info@tprojects.ch. Das Erstgespräch ist kostenlos und klärt meist schon, ob ein Klickprototyp genügt.
Verwandte Themen
Individualsoftware entwickeln lassen oder Standard kaufen? Eine Entscheidungshilfe, Software entwickeln lassen Kosten: Was ein Budget wirklich bestimmt, Wenn Excel zur Fachanwendung wird: Excel ablösen durch Software, Fachapplikation entwickeln lassen: Was die Fachseite vorher liefern muss
FAQ
Was kostet es, einen Software-Prototyp erstellen zu lassen?
Einen Pauschalpreis gibt es nicht, weil der Aufwand von Leitfrage, Anzahl Rollen, Schnittstellen und Datenlage abhängt. Ein Prototyp kostet in der Regel deutlich weniger als die Vollentwicklung, denn er prüft nur eine Annahme und liefert kein fertiges System.
Wie lange dauert die Erstellung eines Prototyps?
In unserer Projektpraxis eher Wochen als Monate. Ein Klickprototyp ist am schnellsten fertig, ein Machbarkeitsnachweis mit Anbindung an ein Altsystem braucht länger, ein Pilot mit echten Daten am längsten.
Was ist der Unterschied zwischen Prototyp, Proof of Concept und MVP?
Ein Prototyp zeigt, wie etwas aussehen oder funktionieren könnte. Ein Proof of Concept belegt, dass ein technischer Kern machbar ist. Ein MVP ist eine kleine, aber echte erste Version für reale Nutzer; die Grenze zum Pilot ist fliessend.
Kann der Prototyp später als Basis für das Produkt dienen?
Meistens nicht. Prototypen entstehen schnell und ohne die Sorgfalt, die ein Produktivsystem braucht. Wiederverwendbar sind eher die Erkenntnisse und die gestalteten Bildschirme als Vorlage; Code nur, wenn er von Anfang an bewusst dafür gebaut wurde.
Brauchen wir vor dem Prototyp eine Prozessanalyse?
Wenn der Ablauf selbst noch unklar oder umstritten ist, ja: Eine kurze Prozessanalyse verhindert, dass der Prototyp einen Streit abbildet statt eine Lösung zu testen. Ist der Ablauf bekannt und nur das Werkzeug offen, kann man direkt starten.
Wann ist ein Prototyp übertrieben?
Wenn ein Standardprodukt die Aufgabe bereits abdeckt, etwa bei einer ERP Einführung. Dann steht die Auswahl und Einführung im Vordergrund, nicht die Eigenentwicklung. Auch bei kleinen Anpassungen im Rahmen einer breiteren Digitalisierung genügt oft ein Gespräch mit Skizze.
RELATED POSTS
View all
