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IVöB Verfahrensarten richtig einordnen: Was vor der Ausschreibung geklärt sein muss

Bei IVöB Verfahrensarten entscheidet nicht nur der Schwellenwert, sondern auch, wie sauber Bedarf, Leistungsbild und Wettbewerb vorbereitet sind. Wer das Verfahren zu früh festlegt, schafft oft später mehr Aufwand bei Fragen, Nachbesserungen und Vergleichen der Angebote. Genau dort kippt eine Beschaffung oft von einer sachlichen Vorbereitung in eine hektische Reparaturphase.

Auf einen Blick

  • Die richtige Verfahrenswahl ergibt sich aus Beschaffungsgegenstand, Schwellenwert, Markt und Dokumentationsqualität, nicht aus einer frühen Bauchentscheidung.
  • Ein offenes Verfahren schafft breite Konkurrenz, während ein selektives Verfahren die Eignungsprüfung vor die Angebotsphase zieht und damit bei komplexeren Vorhaben oft mehr Ordnung bringt.
  • In unserer Projektpraxis kostet ein unklar formuliertes Pflichtenheft häufig mehrere Zusatzrunden mit Fragen, Korrekturen und internen Abstimmungen.
  • Zuschlagskriterien müssen vor der Publikation belastbar sein, weil spätere Korrekturen die Vergleichbarkeit der Angebote schwächen.

Wenn intern über IVöB Verfahrensarten gesprochen wird, geht es selten nur um Rechtstechnik. Es geht um die Frage, ob eine Organisation ihren Bedarf so beschrieben hat, dass ein offenes Verfahren, ein selektives Verfahren, ein Einladungsverfahren oder ein freihändiges Verfahren überhaupt sauber begründet werden kann.

Die Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB) gibt den Rahmen. In der Praxis entscheidet aber die Vorarbeit darüber, ob dieser Rahmen tragfähig genutzt wird oder ob das Verfahren später unter Druck angepasst, erklärt oder verteidigt werden muss.

Gerade im Gesundheitswesen sehen wir das regelmässig. Ein Pflegeheim im Kanton Solothurn mit 90 Bewohnerinnen und Bewohnern steht etwa vor der Frage, ob für eine neue Fachanwendung vor allem Preis, Integration, Betriebssicherheit oder Schulungsaufwand im Vordergrund stehen. Ein Hausarztpraxis-Verbund im Kanton Bern mit acht Standorten hat oft ein anderes Problem: Der Bedarf ist über mehrere Standorte verteilt, aber niemand hat ihn in ein gemeinsames Leistungsbild übersetzt.

Woran scheitert die Verfahrenswahl in der Praxis am häufigsten?

Die Verfahrenswahl scheitert meist nicht an fehlendem Willen, sondern an einer zu frühen Festlegung. Sobald intern jemand sagt, man nehme einfach das bekannte Verfahren vom letzten Mal, wird aus einer Beschaffung schnell eine Kopie mit neuen Risiken.

Ein zweiter Stolperstein ist ein unscharfer Beschaffungsgegenstand. Wenn Leistungen, Lieferobjekte, Schnittstellen und Betriebsverantwortung vermischt werden, lassen sich Eignungskriterien und Zuschlagskriterien kaum sauber trennen.

Typische Fehler mit Folgen:

  • Das Pflichtenheft bleibt auf einer allgemeinen Ebene, sodass Anbieter sehr unterschiedliche Leistungen offerieren und die Vergleichbarkeit leidet.
  • Schwellenwerte werden isoliert betrachtet, obwohl der Markt und die Komplexität des Vorhabens eine andere Verfahrenslogik nahelegen.
  • Zuschlagskriterien entstehen erst kurz vor der Publikation und spiegeln dann eher interne Kompromisse als den tatsächlichen Bedarf.
  • Fachbereich, Einkauf und IT arbeiten nacheinander statt gemeinsam, was Rückfragen, Doppelarbeit und interne Spannungen auslöst.

Erfahrungsgemäss führt diese Ausgangslage oft zu Nacharbeit im mittleren vierstelligen bis tiefen fünfstelligen CHF-Bereich, noch bevor ein Zuschlag erteilt ist. Der grössere Schaden liegt aber meist im Zeitverlust und in der sinkenden Akzeptanz des Verfahrens innerhalb der Organisation.

Welche Rolle spielen Bedarf, Markt und Risiko vor dem Start?

Bedarf ist mehr als ein Wunschzettel. Ein belastbarer Bedarf beschreibt, welches Problem gelöst werden soll, welche Leistungen zwingend sind und wo die Organisation bewusst Spielraum für unterschiedliche Lösungsansätze offenlässt.

Der Markt gehört gleich früh auf den Tisch. Wer nur intern diskutiert, unterschätzt oft, wie unterschiedlich Anbieter Leistungen bündeln, Support organisieren oder Integrationen abgrenzen. Für diese Vorarbeit kann Technisches Projektmanagement helfen, weil fachliche, organisatorische und technische Sicht zusammengeführt werden.

Risiko ist der dritte Teil. Bei einer Beschaffung mit vielen Schnittstellen, mehreren Anspruchsgruppen oder hohem Betriebsbezug reicht es nicht, nur formal korrekt zu sein. Das Verfahren muss auch praktisch tragfähig bleiben, wenn Fragen eintreffen, Varianten auftauchen oder interne Prioritäten kippen.

Im Gegensatz zu einfachen Standardbeschaffungen braucht ein komplexeres Vorhaben vor dem Start oft eine kurze Markt- und Risikoanalyse. In unserer Projektpraxis dauert diese Klärung typischerweise wenige Wochen, spart aber später oft mehrere Schleifen in Bewertung und Freigabe.

Wer intern dafür keine Kapazität hat, entlastet sich oft mit externer Unterstützung im Projektmanagement. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn Fachbereich, Einkauf und Leitung zwar beteiligt sind, aber niemand die Vorbereitung strukturiert zusammenhält.

IVöB Verfahrensarten im Überblick und ihre typischen Einsatzlagen

Das offene Verfahren ist die breiteste Form des Wettbewerbs. Alle interessierten Anbieter können ein Angebot einreichen, was bei klar beschreibbaren Leistungen und genügend internem Auswertungsrahmen oft sinnvoll ist.

Das selektive Verfahren trennt Eignung und Angebot in zwei Stufen. Diese Form eignet sich, wenn der Markt zwar offen bleiben soll, aber die eigentliche Angebotsphase nur mit Anbietern geführt werden soll, die fachlich und organisatorisch wirklich passen.

Das Einladungsverfahren ist enger gefasst. Es kann passend sein, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen und der Markt überschaubar ist, die Organisation aber trotzdem mehrere Angebote strukturiert vergleichen will.

Das freihändige Verfahren ist die Ausnahme, nicht die bequeme Abkürzung. Wer es wählt, braucht eine tragfähige Begründung, weil gerade hier die Dokumentation später besonders genau angeschaut wird.

Für die Einordnung der Schweizer Organisationslandschaft und ihrer Beschaffungsrealität lohnt sich auch ein Blick auf das Bundesamt für Statistik. Solche Daten ersetzen keine Verfahrenswahl, sie helfen aber, Marktgrösse und Struktur nüchtern einzuordnen.

Bei digitalen Vorhaben kommt ein weiterer Punkt dazu: Die Leistung endet selten bei der Software. Themen wie Einführung, Migration, Schulung und Betrieb gehören früh in die Ausschreibungslogik. Gerade bei Vorhaben mit ERP-Nähe oder Schnittstellenfragen wird das oft unterschätzt, etwa wenn parallel noch Abacus ERP Support im Haus organisiert werden muss.

Warum die Zuschlagskriterien nicht erst am Schluss entstehen dürfen

Zuschlagskriterien sind kein Formularfeld am Ende. Sie übersetzen den Bedarf in eine bewertbare Logik und entscheiden damit, ob Angebote fair verglichen werden können.

Wenn Kriterien erst kurz vor der Publikation formuliert werden, entstehen fast immer zwei Probleme. Entweder bleiben sie zu allgemein und führen zu austauschbaren Angeboten, oder sie werden so spezifisch, dass sie intern erklärt und extern verteidigt werden müssen.

Ein gutes Set an Zuschlagskriterien unterscheidet klar zwischen Muss-Anforderungen, Eignung und Bewertung. Preis, Qualität, Umsetzung, Betrieb, Referenzen und Support dürfen nicht einfach nebeneinanderstehen, wenn unklar ist, was davon Ausschlusskriterium und was davon Differenzierungsmerkmal ist.

Im Pflegeheim im Kanton Solothurn zeigt sich das oft bei Beschaffungen mit engem Betriebsbezug. Die Leitung will Stabilität im Alltag, die Fachseite will einfache Abläufe, und die IT achtet auf Integration. Wenn diese Perspektiven erst am Schluss zusammenkommen, wird das Bewertungsmodell meist zu spät belastbar.

Ein sauber aufgebautes Pflichtenheft nimmt hier Druck heraus. Wer Ausschreibungen oder Auswertungen später nachvollziehen muss, profitiert zudem von einer strukturierten Sicht auf Submissionsergebnisse öffentliche Ausschreibungen, weil daraus erkennbar wird, wie stark Kriterien die Rangfolge tatsächlich beeinflussen.

Wenn die Kriterien intern noch wackeln, lohnt sich ein kurzer Halt. Eine halbe Woche Klärung vor der Publikation ist meist günstiger als eine ganze Runde mit Präzisierungen nach dem Fragenkatalog.

Was externe Projektleitung bei der Vorbereitung absichern kann

Externe Projektleitung bringt vor allem Ordnung in die Vorphase. Sie klärt Rollen, strukturiert Entscheidungen und sorgt dafür, dass Fachbereich, Einkauf und Technik nicht aneinander vorbeiarbeiten.

Im Hausarztpraxis-Verbund im Kanton Bern mit acht Standorten ist genau das oft entscheidend. Mehrere Standorte haben ähnliche Anliegen, aber unterschiedliche Abläufe, Prioritäten und Begriffe. Ohne klare Moderation wird daraus schnell ein Sammelsurium von Einzelwünschen statt ein beschaffungsreifer Bedarf.

Eine externe Leitung kann den Beschaffungsgegenstand schärfen, das Pflichtenheft redigieren, Bewertungslogiken vorbereiten und offene Punkte vor der Publikation sichtbar machen. Das ist keine juristische Ersatzfunktion, sondern saubere Projektführung mit Blick auf Umsetzbarkeit.

Gerade bei Vorhaben mit Digitalisierungsanteil hilft es, wenn dieselbe Stelle auch Abhängigkeiten zu Prozessen, Daten und Betrieb erkennt. Dort schliesst sich der Kreis zu Themen wie Einführung, Schnittstellen und organisatorischer Reife.

Wenn intern bereits klar ist, dass die Vorbereitung unter Zeitdruck steht, lohnt sich ein nüchterner Blick auf Zuständigkeiten, Entscheidungswege und Dokumente. Oft reicht schon eine kurze externe Strukturierung, damit aus einem unklaren Vorhaben eine belastbare Ausschreibung wird.

Rufen Sie uns an unter +41 77 491 77 94 oder schreiben Sie an info@tprojects.ch. Das erste Gespräch ist unverbindlich und kostenlos, und wir klären mit Ihnen, wo Ihre Beschaffung fachlich und organisatorisch abgesichert werden muss.

Über den Autor

Silvan Erlenbach

Silvan ErlenbachSenior Projektleiter

Mit über 16 Jahren Erfahrung in der Projektleitung begleitet Silvan Schweizer KMU, Gemeinden und öffentliche Verwaltungen bei Digitalisierungs- und Transformationsprojekten. Seine Schwerpunkte liegen in externer Projektleitung, Prozessoptimierung und PMO-Aufbau.

FAQ

Welche Verfahrensart ist bei einer öffentlichen Beschaffung in der Schweiz die richtige?

Die richtige Verfahrensart ergibt sich aus Beschaffungsgegenstand, Schwellenwert, Marktsituation und Komplexität des Vorhabens. Wer vorab Bedarf, Rollen und Anforderungen sauber klärt, kann die Wahl besser begründen und die Ausschreibung stabiler aufsetzen. Für die Vorbereitung solcher Grundlagen wird oft Digitalisierung Prozessoptimierung beigezogen.

Wann sind IVöB Verfahrensarten wie Einladungs- oder offenes Verfahren zulässig?

Ob ein Einladungsverfahren oder ein offenes Verfahren zulässig ist, hängt von den anwendbaren Regeln der IVöB, den Schwellenwerten und der Art der Beschaffung ab. Entscheidend ist, dass die Wahl nicht nur formal passt, sondern auch dokumentiert werden kann. Wenn intern Unsicherheit besteht, hilft oft eine neutrale Einordnung durch IT Beratung online.

Was ist der Unterschied zwischen freihändiger Vergabe und Einladungsverfahren?

Bei der freihändigen Vergabe wird kein Wettbewerb mit mehreren eingeladenen Anbietern durchgeführt, während beim Einladungsverfahren mehrere ausgewählte Anbieter ein Angebot einreichen. Das Einladungsverfahren schafft also Vergleichbarkeit, das freihändige Verfahren braucht eine besonders tragfähige Begründung. Für Bewertungsmodelle oder Variantenvergleiche wird oft eine Nutzwertanalyse Auswahlprozess Excel genutzt.

Wie bereite ich eine Ausschreibung vor, damit es später weniger Rückfragen gibt?

Weniger Rückfragen entstehen, wenn Pflichtenheft, Muss-Anforderungen, Zuschlagskriterien, Rollen und Antwortwege vor der Publikation abgestimmt sind. Besonders wichtig ist, dass Fachbereich, Einkauf und Technik dieselben Begriffe für dieselbe Leistung verwenden. Bei Vorhaben mit mehreren Standorten oder Prozessen unterstützt oft Digitalisierung von Unternehmen bei der gemeinsamen Struktur.

Wer legt in einer Organisation fest, welches Beschaffungsverfahren gewählt wird?

Die Entscheidung liegt in der Regel nicht bei einer einzelnen Person, sondern bei der zuständigen Organisationseinheit im Zusammenspiel mit Fachbereich, Beschaffung und je nach Thema auch IT oder Leitung. Wichtig ist eine klare Zuständigkeit für Begründung, Dokumentation und Freigabe. Wenn diese Rollen noch nicht sauber getrennt sind, kann Chatbot 24 Stunden Support zwar operative Entlastung bringen, ersetzt aber keine Beschaffungssteuerung.